Die Abruzzen: Berge, Meer,
Einsamkeit und unverfälschte, köstliche Küche. ,,Fahr in die
Abruzzen", riet der Priester Frederic Henry, dem amerikanischen Romanhelden
in Ernest Hemingways ,,In einem anderen Land", der einen Ort für den
Winterurlaub suchte. Dort sei die Luft klar und kalt und trocken und der Schnee
wie Puder. Mit kalten Sommernächten und dem schönsten Frühling Italiens sei die
Gegend das ideale Urlaubsziel. 130 Kilometer
Strand, historische Städte, beeindruckende Bergmassive und die unverfälschte Küche
der Region ließ der Priester an dieser Stelle unerwähnt, aber seine Schwärmereien
über die heimatlichen Abruzzen hätten auch davon handeln können. Fast wie zu
Hemingways Zeiten ist die Region in Mittelitalien ein Naturparadies, das vom Massentourismus
ungestört geblieben ist. Zwischen Rom und der Adria erstrecken sich die Abruzzen von den Hochgebirgen des
Apennin über eine sanfte Hügellandschaft mit Wiesen, Olivenhainen und Wäldern
bis zur Küste. Die Abruzzen sind
mit gut 10.000 Quadratkilometern nur halb so groß wie Hessen. Auf kleinstem Raum
gelingt es der Region jedoch, das Beste zu vereinen, was Italien zu bieten hat.
Im Sommer sind mit etwas Gluck sogar von der Küste aus die schneebedeckten
Gipfel des Gran Sasso zu sehen und
innerhalb kürzester Zeit zu erreichen.
Die Abruzzen natürlich:
33 Prozent der
Abruzzen stehen unter Naturschutz, 100 Prozent der Natur ist von
beeindruckender Schönheit. Die Regierung hat diesen schützenswerten Reichtum früh
erkannt und den ,,Parco Nationale di Abruzzi" 1922 zum ersten
italienischen Schutzgebiet erklärt. Im Herbst, wenn
sich die Nadeln der Lärchen gelb färben und es warm und erdig riecht, wird das
Wandern zum sinnlichen Genuss. Dabei stößt der Urlauber auch auf sprachliche
Leidenschaft - an der ,,Grotta delle Fate" (Feengrotte) und dem ,,Valico
Passaggio dell'Orso" (Passstrasse des Bären).
Die Abruzzen kulturell:
Der schiefe Turm
von Pisa und das Kolosseum in Rom kleben schon in Millionen von Fotoalben. Die
Abruzzen sind fotografisch nicht so intensiv erkundet, bieten aber ebenso schöne
Motive: antike Ausgrabungen, die romanische Schlichtheit der Kirchen und
Abteien, Palazzi aus der Renaissance und barocke Herrlichkeit - und dazu
Museen, Herrenhäuser und klassische Konzerte vor historischer Kulisse.
Die Abruzzen kulinarisch:
Handgefertigte
Nudeln, Truffel und Safran: wie der Gang durch einen Feinkostladen mutet die
Liste der einheimischen Spezialitäten an. So wie sich die abruzzuzische Landschaft in Berge und Küsteteilt, ist auch
die regionale Küche geprägt von der Kultur der Hirten und Fischer. Sie findet
sich auf den regionalen Speisekarte
„agnello alla brace" (auf Holzkohlen gebratenes Lamm) und «Brodetto alla
pescarese"(fisch-brühe mit Meeresfrüchten). Fast jeder Ort hat auch seine
eigene süfte Spezialität Welche Genusse sich hinter wohlklingenden Namen wie ,,Sise
di Monaca" aus Guardiagrele oder der ,,Pan dell'Orso" in Scanno
verbergen, darf der Feinschmecker selbst entdecken. Viele Betriebe
stellen ihre Produkte im biologischen Anbau her; die Preise in Restaurants sind dennoch angenehm niedrig.
Die Abruzzen traditionell:
Die Tradition der
Abruzzen wirken kultisch und katholisch zugleich. Cocullo zelebriert am ersten
Donnerstag im Mai eine Schlangenbeschwòrung am Tag des San Domenico Abate. Auf
den Feldern gesammelte Schlangen werden in einer Prozession mit der
Heiligenfigur durch den Ort geführt. In der Nacht des 24. Juni waschen sich die
Bewohnerin Civitella Roveto durch ein rituelles Bad im Fluss Liri rein. Wenn in
Deutschland Nikolaus gefeiert wird, kocht man in den Abruzzen auf dem Dorfplatz
Ackerbohnen in sieben Kesseln. Hemingways
Romanheld ist trotz der schwärmerischen Beschreibungen des Priesters nie in die
Abruzzen gefahren. Er versackte mit Alkohol und leichten Mädchen in grosstädtischen
Hotelzimmern statt die reine Schönheit
der italienischen Landschaft zu genießen. Hätte er danach gesucht, wäre er in
den Abruzzen fündig geworden.
Die Autorin
Dorothee Schmidt ist Siegerin des
diesjährigen C-B-R-Wettbewerbs (2005) unter Schülem der Deutschen Journalistenschule in München zu
den ,,Regionen in Italien".
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